Seminare am Kaminfeuer


Tumm giboru und nix derzüegleert – und der Räscht no vergässu. (Valser Spruch: Dumm geboren und nichts dazugelernt – und den Rest noch vergessen)

Max Stirner- ist das ein “Waldorf-Pädagoge” ?

anhand des Textes “Über das unwahre Prinzip unserer Erziehung” werden Grundgedanken der Erziehung besprochen. Im Zentrum steht die Frage: Was heisst eigentlich “Freiheit”? (Egoismus vs. Gemeinschaftsbildung)

Friedrich Nietzsche oder: wie weit reicht die Skala der menschlichen Instinkte und Motive (1.-3.März 2019)

Um Ostern war das Thema:

Das Wesen des Menschen: Denken und Vorstellen / Abschied vom Leib-Seele-Problem / An die Stelle des klassischen Dualismus tritt die vierfache Natur des Menschenkörpers

(anknüpfend an Stirner und Nietzsche geht es grundsätzlich um die Frage: wie kann Wissen im Willen “auferstehen” ? Das Begräbnis der griechischen “Seele”, die Geburt des Ich im Denken )

Danach ist ein Seminar geplant: Was heisst “freies Geistesleben” ? (Eine Idee oder ein Wesen?) Das Individuum im Kreuzfeuer der Wirtschafts- und Kapitalmächte.

Hier steht die Welt nicht auf dem Kopf: Seminare mit Johannes Kartje * und Beat Fontana

Etwas Literatur ? hier ein pädagogischer Artikel von Johannes Kartje : “Auf dem Jahrmarkt der Ich-Abstinenz. Bemerkungen zu Waldorf 100”

Ach ja, “Waldorf”: das hat irgendwie mit “Anthroposophie” zu tun. Davon gibt es heutzutage wahrscheinlich zwei Sorten? Einer, der die Geister scheidet, ist der hier ab und zu auftauchende Karl Ballmer. Der machte sich zum Beispiel Gedanken zur Frage der “Wiederverkörperung”..

Was kommt eigentlich n a c h dem technokratischen Zeitalter ?

am Wochenende vom 16./17.November 2019 wird folgendes zur Sprache kommen:

die Entwicklung vor dem Hintergrund des globalen Kapitals. Wo sind die Zentren der Macht heute ? Dollar-Imperium vs. multipolare “Welt”. Die Rolle der BIZ (BIS) dabei.

ein Treffen mit Gian Trepp aus Zürich

Gian Trepp
https://www.amazon.de/Hohe-Berge-Geschichte-Vorfahren-Oberwallis/dp/1985828642

Dazu gibt’s Musik und herrliche Verpflegung aus – hmm- Hippel’s Weinstube

hmm, ja – Musik , Verpflegung, überhaupt: die “analoge” Welt, die Sinneswahrnehmungen, die liebe “Physik”, die Erde, bis hin zum vielfältigen Klima…

Hierzu braucht es eindeutig grundsätzliche Überlegungen. Weitere Treffen, mit und ohne Spaten oder Melkeimer, sind geplant. (KAMO ist natürlich dazu geeignet, “Theorie” und “Praxis” einigermassen vergnüglich unter einen Hut zu bringen)

ja, grundsätzliche Überlegungen, Begriffsbildungen (Begriffe: man übernimmt sie aus Schulbildung, Medien – kann man sie auch s e l b e r bilden ? Unser ganzes “System” besteht letztlich aus kollektivem Konsens, verbunden mit der handfesten “Wirklichkeit”..)

hierzu ein Beispiel :

Arbeit-Geber

Ich legte mir einmal die Frage vor, warum todmüde Soldaten, die auf wunden Füßen immer weiter und weiter humpeln, ein lustiges Liedlein zu singen pflegen, – und glaubte mir die Antwort mit der Vermutung erteilen zu können, dass die schwitzenden stöhnenden und singenden Soldaten deswegen vergnügt sind, weil es im militärischen Bereich den Begriff des “Arbeitgebers” nicht gibt. Wie komisch wäre es doch für Soldaten, sich den Höchstkommandierenden oder meinetwegen den Chef des Eidgnössischen Militärdepartementes als “Arbeitgeber” zu denken! Soldaten leisten “Arbeit”, doch weil Soldaten keine “Arbeitnehmer” sind, fällt auch der zivile Schwatz vom “Arbeitgeber” dahin. Es wäre vortrefflich, wenn die moderne Arbeitswelt allgemein das Erlebnis nahelegte, dass “Arbeit” eigentlich ein zum ächzenden Vergnügtsein ermunterndes Metier sei. Wenn dies nicht der Fall ist, so liegt das an langfristigen Denkgewohnheiten. In der Sozialwelt wirken Denkgewohnheiten oft stärker als anspruchsvolle “Weltanschauungen”. Langfristige Denkgewohnheiten haben die Neigung, schließlich in einem Obligationenrecht ihren Niederschlag zu finden. Da finden sich dann alterwürdige Reminiszenzen an Dienende und an Dienst-Herren, oder die Erinnerungen an Regeln über Kauf, Verkauf und Vermietung von Diensten, sanktioniert durch ein fernes Römertum. In einem ehrwürdigen Altertum gab es die Sitte des Verkaufes von Menschen als Arbeitskräften. Die Obligationen (Pflichten) von Käufern und Gekauften, von Mietern und Gemieteten waren stets im Rahmen der guten alten Ordnung sorgsam zu regeln. So findet sich denn auch im Schweizer Obligationenrecht der Artikel 319, der den Dienstvertrag regelt. Es ist tröstlich, dass auf der ersten Seite des Dienstbüchleins der Soldaten nicht Bezug genommen wird auf den Art. 319 ff: des Schweizerischen Obligationenrechtes. Der in Artikel 319 auftretende “Dienstherr” würde im Militärbüchlein unsympathische Erinnerungen an die zivilisierte Welt erregen, er eignet sich nicht dazu, auf der ersten Seite des Dienstbüchleins berufen zu werden. Der Artikel 319 des Schweizerischen Obligationenrechtes, der den Dienstvertrag regtet, lautet: “Durch den Dienstvertrag verpflichtet sich der Dienstpflichtige zur Leistung von Diensten auf bestimmte oder unbestimmte Zeit und der Dienstherr zur Entrichtung eines Lohnes.” Es gibt also in der zivilen Arbeitswelt “Dienstpflichtige” und “Dienstherren”; in der Armee gibt es von oben bis unten lauter Dienstpflichtige. Sogar im zivilen Sektor, scheint es, klingt “Dienstherr” mehr altertümlich als erfreulich. Die Vorstellungen des “Dienens” und “Herrschens” sind offenkundig nicht der Aura der modernen industriellen Arbeitswelt entnommen; hier wäre mit den Ausdrücken “Arbeiter” und “Arbeitsleiter” völlig auszukommen. Die Vorstellungen vom Dienen und Herrschen erscheinen mit historischem Erinnerungsballast beladen. Im Übrigen ist es klar und bedarf keiner weiteren Erläuterung, dass in dem Art. 319 der Begriff des Lohnes die Mitte ist, auf die sich alles übrige bezieht. Unter Lohn versteht das schweizerische Obligationenrecht, nach altem Herkommen, die von einem persönlichen Dienstherrn zu bezahlende Entschädigung für etwas ihm Dienliches. Der persönliche Dienstherr kauft die Ware “Arbeitskraft”, wie er fünf Pfund Butter kauft. Der moderne Sozialismus hat der Welt die Erkenntnis beigebracht, dass die menschliche Arbeitskraft – aus Respekt vor der Menschenwürde – nicht eine Ware sein darf; die in der “Marktwirtschaft” nach dem Gesetz von Angebot und Nachfrage gehandelt wird. Auf der ganzen Welt setzen sich heute die “Arbeitgeber” mit den Gewerkschaften in Verbindung, um schiefe altertümliche Vorstellungen über “Lohn” zu vermeiden. Dennoch ist auch heute noch der Begriff des Lohnes der Tummelplatz für allerlei Aberglauben. Der Lohn gilt weitherum als der Effekt, der sich dadurch ergibt, dass jemand für sich arbeitet. Arbeiten und Lohnerwerb gilt als das gleiche. Nur beim Militärdienst fallt es niemandem ein, die Arbeit der Soldaten als “Arbeit auf Erwerb” oder als “Lohnarbeit” zu verstehen. Der “Dienst” der Soldaten ist nicht ein Für-sich-Arbeiten und Für-sich-Erwerben der Einzelnen. Aber auch in der modernen arbeitsteiligen Industriewelt ist es längst nicht mehr der Fall, dass die einzelnen Arbeiter “für sich” arbeiten. Die Arbeitsprodukte moderner Betriebe werden nicht von einzelnen Arbeitern fertiggestellt, die Fertigstellung erfolgt in komplizierter Arbeits-Teilung durch Handanlegen Vieler. Vom industriellen Arbeitsprodukt her gesehen muss man sagen: keiner arbeitet “für sich”, sondern jeder arbeitet für die andern. Das hat zur Folge, dass im Grunde nicht das Arbeitsprodukt für die Bemessung des Lohnes des einzelnen ausschlaggebend sein kann. Hier gilt es weiterzukommen, indem man die Arbeit grundsätzlich als einen der Gesamtheit geleisteten “Dienst” interpretiert. Man wird über historische Formen des wissenschaftlichen Sozialismus hinauskommen, man wird mit der Kritik nicht bei der Tatsache einsetzen, dass der Arbeitslohn für die Herstellung eines bestimmten Gegenstandes nicht dem vollen Betrag entspricht, den der Gegenstand auf dem Markte erzielt, sondern man wird realistisch den “gerechten” Lohn fordern als Äquivalent für “Dienst”, weil heute keiner “für sich” erwirbt und jeder für alle arbeitet. Es ist ziemlich rührend, wenn linksempfindliche Theologen sich der “Arbeiterfrage” annehmen. Der theologische Dogmatiker Prof. Brunner meint (in seinem Buche “Gerechtigkeit”): “Das Entsetzliche an der durch den verantwortungslosen Kapitalismus geschaffenen Wirtschaftsordnung sind nicht die schlechten Löhne, ja nicht einmal die Unsicherheit des Verdienstes und die Arbeitslosigkeit, sondern der Verlust der Ehre des Arbeiters. Indem man die Arbeit des Lohnarbeiters als Ware, als käufliches Produktivmittel betrachtet und ihn merken lässt, dass er ‘nichts zu sagen hat’, hat man ihm seine Ehre geraubt. Der Mensch ist zum Objekt degradiert. Die echt patriarchalische das heißt familienähnliche Ordnung gibt ihm die Ehre wieder, ja sie allein kann sie ihm geben. Denn diese Ehre ist identisch mit der Tatsache, dass er als Person Glied einer Dienstgemeinschaft ist.” Hier wird Ehre verschenkt; Prof. Brunner rechnet mit einer Instanz oberhalb der Arbeiter, die Ehre zu vergeben hat. Die Tatsachen der Geschichte der Arbeiterbewegung beweisen indessen immerhin die Möglichkeit, dass die Arbeiter erklären: Wir verzichten auf eure Ehre. Eine “echt patriarchalische” Ordnung ist der modernen Industriewelt ebenso wesensfremd, wie sie einem sportlichen Team oder der Organisation einer modernen Armee wesensfremd ist. Der intelligente Arbeiter fühlt seine Stellung in der Gesellschaft nicht von einem Ehrenkodex bestimmt, sondern von seiner Einsicht in die Struktur der Wirtschaft. Heutige Wirtschaftsvorstellungen sind der Veränderung fähig, insofern, als heute der Lohn einfach als Kostenfaktor der Produktion angesehen wird – und dereinst als etwas ganz anderes wird angesehen werden müssen. Brunner berührt den Kern der Sache, wenn er schreibt: “Wo der Lohn zum Marktwert wird, ist er dem Spiel von Angebot und Nachfrage preisgegeben, und wo der Lohn von Angebot und Nachfrage abhängig gemacht wird, wird die Arbeit ihrer Würde als Dienst entkleidet.” Hier lässt sich weiterdenken, indem in ganz unsentimentaler Weise das “Diensterlebnis” des Soldaten zu Rate gezogen wird. Müde Soldaten pflegen nach einem Vierzig-Kilometermarsch nicht konsultiert zu werden, zu welchen Bedingungen sie sich eventuell entschließen könnten aus der vierten Kompagnie den zweiten Zug auf Ortswache zu delegieren. Vom zivilen Unternehmeraspekt aus ist es das reine Wunder, dass die Mannen des zweiten Zuges – fluchend, wie es sich gehört – die Wache beziehen, ohne dass komplizierte Verhandlungen betreffs Überstunden-Lohn stattzufinden brauchen. Die “Würde der Arbeit” offenbart sich bei einem solchen Vorgang in ganz unfeierlicher Art. Es erscheint vorerst vollkommen ausgeschlossen, dass sich Analoges in der zivilen Arbeitswelt ereignen könnte. Und – notabene – wäre das analoge Zivilwunder deplaziert, solange “Dienstherren” und “Arbeitgeber” noch weit davon entfernt sind, die Kategorie “Dienst” als echt volkswirtschaftliche zu entdecken. Ich finde es bedauerlich dass die von Rudolf Steiner vertretene Lohn-Theorie bisher völlig ignoriert wird, nicht zuletzt von den Anhängern Steiners. Als beim Zusammenbruch von 1918 mancherlei Illusionen zerstoben und die Geister vorübergehend aufgelockert waren, da konnten Wissende über ihre Sozial-Sorgen unverhüllter sprechen als zu anderer Zeit. So auch Steiner, der in einem Vortrage am 24. November 1918 über den Lohn ausführte: ” …. Ich habe auf manches aufmerksam zu machen versucht, was als soziales Axiom wirken soll. Darauf habe ich aufmerksam gemacht, dass schon einmal in jeglicher sozialer Struktur nichts Gedeihliches herauskommen kann, wenn das Verhältnis eintritt, dass der Mensch für seine unmittelbare Arbeit entlöhnt wird. Soll eine gedeihliche soziale Struktur herauskommen, so darf es nicht sein, dass der Mensch bezahlt wird für seine Arbeit. Die Arbeit gehört der Menschheit, und die Existenzmittel müssen auf anderem Wege den Menschen geschaffen werden, als durch Bezahlung seiner Arbeit. Ich möchte sagen: wenn gerade das Prinzip des Militarismus, aber ohne Staat, übertragen würde auf einen Teil der sozialen Ordnung, dann würde ungeheuer viel gewonnen werden. Aber zugrunde liegen muss eben doch die Einsicht, dass sogleich Unheil da ist auf sozialem Boden, wenn der Mensch so in der Sozietät drinnen steht, dass er für seine Arbeit, je nachdem er viel oder wenig tut, also nach seiner Arbeit eben, bezahlt wird. Der Mensch muss aus anderer sozialer Struktur heraus seine Existenz haben. Der Soldat bekommt seine Existenzmittel; dann muss er arbeiten; aber er wird nicht unmittelbar für seine Arbeit entlohnt, sondern dafür, dass er als Mensch van einer bestimmten Stelle steht. Darum handelt es sich. Das ist es, was das notwendigste soziale Prinzip ist, dass das Erträgnis der Arbeit von der Beschaffung der Existenzmittel völlig getrennt wird, wenigstens auf dem Gebiet des sozialen Zusammenhanges. Solange nicht diese Dinge klar durchschaut werden, solange kommen wir zu nichts Sozialem, solange werden Dilettanten, die manchmal Professoren sind …, werden Dilettanten von vollem Arbeitsertrag und dergleichen sprechen, was alles Wischiwaschi ist. Denn gerade der Arbeitsertrag muss von der Beschaffung der Existenzmittel in einer gesunden sozialen Ordnung völlig getrennt werden. Der Beamte, wenn er nicht durch den Mangel an Ideen Bürokrat würde, der Soldat, wenn er nicht durch den Mangel an Ideen Militarist würde, ist in gewisser Beziehung – “in gewisser Beziehung”, missverstehen Sie mich nicht – das Ideal des sozialen Zusammenhanges. Und kein Ideal des sozialen Zusammenhanges, sondern der Widerpart des sozialen Zusammenhanges ist, wenn dieser soziale Zusammenhang so ist, das der Mensch nicht arbeitet für die Gesellschaft, sondern für sich. Das ist die Übertragung des unegoistischen Prinzips auf die soziale Ordnung. Wer nur in sentimentalem Sinne Egoismus und Altruismus versteht, der versteht eigentlich nichts von den Dingen. Derjenige aber, der praktisch ohne Sentimentalität, mit reinem gesundem Menschenverstand durchschaut, dass jede Sozietät notwendigerweise zugrunde gehen muss, indem der Mensch nur für sich arbeitet, der weiß das Richtige. Das ist ein Gesetz, so sicher wirksam, wie die Gesetze der Natur wirken, und man muss dieses Gesetz einfach kennen. Man muss einfach die Möglichkeit besitzen, den gesunden Menschenverstand so zu handhaben, dass einem ein solches Gesetz als ein Axiom der sozialen Wirtschaft erscheint. Man ist heute noch weit entfernt, so etwas einzusehen. Aber die Gesundung der Verhältnisse hängt doch ganz und gar davon ab, dass gerade so, wie jemand den Pythagoräischen Lehrsatz in der Mathematik als etwas Grundlegendes ansieht, er diesen Satz zugrunde legt: alles Arbeiten in der Gesellschaft muss so sein, dass der Arbeitsertrag der Sozietät zufällt, und die Existenzmittel nicht als Arbeitsertrag, sondern durch die soziale Struktur geschaffen werden.” Es kann nicht ausbleiben, dass von diesem Axiom Steiners ein Licht auch auf die Frage des Unternehmergewinnes fällt. Der Unternehmer verfügt im Auftrage der Sozietät – nämlich desjenigen Gliedes der Sozietät, das die geistigen Einsichten und Antriebe pflegt – privat über Kapital, auf Grund seiner individuellen Befähigung. Was er schafft, schafft er als Repräsentant des “Geistes”. Und in dem unvermeidlich eintretenden Unternehmergewinn repräsentiert sich die Sozietät, oder wenn man will: die Verantwortlichkeit des Geistes gegenüber den Schaffenszielen der Menschheit. – Der Begriff “Arbeit-Geber” bekäme einen ernsthaften und gehaltvollen Sinn, wenn man darunter die Verantwortlichkeit des Menschheits-Geistes versteht.